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21Nov

Europawahlprogramm 2004

Auszüge aus dem Europawahlprogramm 2004 von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Themenbereich Kultur:

Europa grün gestalten

(S. 6 ff.)

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind die Europapartei in Deutschland. Wir stehen für ein ökologisches, gerechtes, weltoffenes, demokratisches und friedliches Europa. ……

Wir wollen eine europäische Wissensgesellschaft.

Bildung, Wissen und Kultur sind der Schlüssel für die ökologische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung Europas. Wir wollen in eine Europäische Wissensgesellschaft investieren. Ihre Grundpfeiler sind eine grenzüberschreitende Bildungslandschaft, der Nachhaltigkeit verpflichteter wissenschaftlicher Fortschritt und Innovation als Motor sozialer und ökonomischer Entwicklung. Grüne Politik streitet für den Zugang zu Bildung und Kultur für alle Menschen. Kulturelle Verständigung ist ein Schlüssel für das zusammenwachsende Europa. Gerade für die heranwachsenden Generationen sind Begegnungen mit Kunst und Kultur, das Erlernen von Toleranz und Akzeptanz, die Förderung von Neugier und Selbstvertrauen in die eigene Kreativität von herausragender Bedeutung. Europa lebt von der Vielfalt. Grüne Kulturpolitik will daher das gemeinsame europäische Erbe in seiner Vielfalt bewahren und die lebendigen Kulturen Europas fördern.
Dadurch kann Europa einen besonderen Beitrag zur Gestaltung der Globalisierung leisten und dazu beitragen, dass es zu einem Dialog und nicht zum Zusammenstoß der Zivilisationen kommt. Kultureller Austausch ist unverzichtbar für eine tolerantes, friedliches Zusammenleben, nicht nur in Europa. Nur die Kulturen, die sich austauschen bleiben entwicklungsfähig. Deshalb ist Europäische Kulturpolitik für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auch Friedenspolitik.

Europäische Wissensgesellschaft aufbauen –
in Bildung, Forschung und Kultur investieren

(Seite 24 ff.)

Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN entscheidet Bildung über die Chancen unserer Kinder und unserer Gesellschaft. Der Aufbau einer gemeinsamen europäischen Wissensgesellschaft wird über die soziale und wirtschaftliche Zukunft Europas entscheiden. Für eine selbstbestimmte und solidarische Gesellschaft ist Bildung elementar. Wenn unsere Gesellschaft wesentlich stärker in Bildung, Forschung und auch in Kultur investiert, lösen wir die Innovationen aus, die eine nachhaltige Entwicklung in Europa vorantreiben können.

Kulturelle Verständigung ist Voraussetzung und zugleich Motor für das Zusammenwachsen Europas. Eine wirklich europäische Kultur zu fördern heißt für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN allerdings nicht, vorhandene Unterschiede einzuebnen, sondern Vielfalt zuzulassen, und damit die Möglichkeit für ein friedliches Zusammenleben zu schaffen.

Kulturelle Vielfalt als Basis für eine europäische Identität

(Seite 27 ff.)

Kultur ist Lebenselixier. In diesem Bewusstsein will grüne Kulturpolitik das gemeinsame europäische Erbe, das viele Traditionen, Bräuchen und Religionen umfasst, in seiner Vielfalt und Lebendigkeit bewahren und für weitere Entwicklungen öffnen.

Grüne Politik fördert Kunst und Kultur in Europa, einen Erfahrungsraum, in dem sich das Verständnis verschiedener Traditionen füreinander, der wechselseitige Respekt voreinander und das demokratische Miteinander festigt und vertieft und eine gemeinsame europäische Identität schafft.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen weder eine europäische Vereinheitlichung noch eine ”europäische Leitkultur”. Ein interkultureller Dialog in Europa ist eine gesellschaftliche Bereicherung; weil er als lebendiger Kommunikationsprozess unser geschichtliches Erbe pflegt und die Erfahrungshorizonte erweitert. Dieser Dialog setzt voraus, dass man über Kenntnisse und Wertschätzung der eigenen Kultur verfügt, um andere als gleichberechtigt gelten lassen zu können.

Die in Europa gelebte Sprachenvielfalt wird von uns als erstrangiges Kulturgut anerkannt, die trotz aller praktischen Schwierigkeiten in der Verständigung zu erhalten und zu fördern ist.

Kulturelle Vielfalt sichern und fördern

Kulturpolitik gehört noch immer zu den Stiefkindern im EU-Haushalt. Angesichts der wichtigen Aufgaben, welche die Kulturpolitik im europäischen Einigungsprozess hat, ist eine Erhöhung des Kulturetats dringend geboten. Wir setzen uns dafür ein, dass die europäischen Kulturprogramme auch weiterhin Bestand haben und darüber hinaus intensiviert werden. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bekennen sich damit ausdrücklich zur Verantwortung der Mitgliedsstaaten und der Europäischen Union für kulturelle Vielfalt und regionale Differenz.

Die Vergabe von Mitteln muss transparenter und bürgerfreundlicher gestaltet werden, z. B. durch Beratung und Hilfestellung bei der Antragstellung. Dezentralität der Kulturförderung in einer globalisierten Welt wird immer wichtiger. Die Förderung der regionalen Sprachen Europas sind für uns unverzichtbarer Bestandteil einer Kulturpolitik für Europa. Die Förderung der regionalen Sprachen in Europa sind für uns unverzichtbarer Bestandteil der Kulturpolitik in Europa.

Wir engagieren uns ebenso für den europäischen Film und europäische Medienprojekte. Wir sprechen uns ausdrücklich für eine Bestands- und Entwicklungsgarantie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus. Auch seine online-Angebote wollen wir fördern, da die technische Konvergenz voranschreitet und die Bedeutung des Internets zunimmt. Die Trennung von Marktmacht und politischer Macht im Mediensektor ist eine zentrale bündnisgrüne Forderung für die künftige europäische Medienpolitik.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unterstützen, dass öffentlich-rechtliche und private Medien in ihren Programmen die europäische Perspektive stärken. Dabei kann auf Angeboten wie arte und Euronews, die wir für unverzichtbar halten, aufgebaut werden.

Wir setzen uns dafür ein, dass bestehende Jugendaustauschprogramme weiterhin eine wichtige Rolle spielen und dass dabei die kulturellen Aspekte stärker betont werden. Kommunikation und Austausch zwischen den regionalen Kulturen müssen so früh wie möglich ansetzen, denn gerade für die heranwachsenden Generationen sind frühe und intensive Begegnungen mit Kunst und Kultur kostbar, um so den Respekt vor dem Anderen zu lernen und das Selbstvertrauen in die eigene kulturelle Identität und Kreativität zu stärken.

Das Projekt der ”Kulturhauptstadt Europa”, bei dem die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa herausgestellt werden und das Verständnis der BürgerInnen Europas füreinander gefördert werden sollen, werden wir weiter unterstützen und ausbauen. Dabei ist für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN der Aspekt der kulturellen und der ökologischen Nachhaltigkeit zentral: Die Bewerberstädte verwirklichen ihre Projekte, die dann modellhaft für ganz Europa sein können – und geben gleichzeitig ihrer eigenen Kulturlandschaft über Jahre ein neues Gesicht.

Europas Kultur ist reich an Kulturdenkmälern verschiedenster Art. Das kulturelle Erbe in der Vielfalt seiner Museen, Archive, Gedenkstätten und Mahnmale und baulichen Zeugnisse zu erhalten, ist daher ein zentrales Ziel unserer Kulturpolitik und soll eine europäische Dimension bekommen. Europa braucht die Auseinandersetzung mit seiner Geschichte seiner Einzelstaaten, um aus Reflexion und vergleichender Anregung eine gemeinsame Zukunft gestalten zu können.

Unsere Geschichte ist Ort der Auseinandersetzung und des Lernens. Dazu gehören auch die Gedenkstätten des nationalsozialistischen Unrechtsregimes, die in einer aktiv gestalteten Erinnerungskultur immer wieder neu reflektiert werden müssen. Auch die Nachkriegszeit ist zum Gegenstand einer europäischen Erinnerungskultur zu machen. Dazu gehört gerade auch der Umgang mit Andersdenkenden im Europa der Nachkriegszeit. Dies gilt auch für die DDR-Vergangenheit. Einer steten Aufarbeitung und Erinnerung gilt unser besonderes Augenmerk.
Kunst und Kultur sind keine beliebigen Dienstleistungen. Kulturpolitik und Kulturschaffende dürfen durch das Abkommen nicht beschränkt werden, sondern sollen auf der sicheren Basis einer eigenen kulturellen Identität Europa kulturell erfahrbar machen. Kulturelle Vielfalt, künstlerische Freiheit, der freie Zugang zu Kultur und kultureller Bildung sind zentrale Voraussetzungen für ein freies und offenes Europa. Kultur und Kunst gehen von den Menschen aus, nicht von Staaten. Grüne Kulturpolitik will für alle Menschen die Erfahrbarkeit der kulturellen Identität Europas in ihrer Vielfalt fördern.

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