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07Apr

Unsere kulturpolitische Position als BAG

Bündnisgrüne Kulturpolitik – Standortbestimmung und Selbstverständnis

„Als Quelle des Austauschs, der Erneuerung und der Kreativität ist die kulturelle Vielfalt für die Menschheit ebenso wichtig wie die biologische für die Natur. Aus dieser Sicht stellt sie das gemeinsame Erbe der Menschheit dar und sollte zum Nutzen gegenwärtiger und künftiger Generationen anerkannt und bekräftigt werden.” (Aus der allgemeinen Erklärung zur kulturellen Vielfalt der UNESCO)

Kultur ist gemeinsames Gut und kulturelle Teilhabe ein allgemeines Menschenrecht. Um dieses Gut zu bewahren und neu zu bereichern, bedarf es der Aktivitäten öffentlicher Institutionen genauso wie des privaten Engagements. Unsere Kulturpolitik präsentiert sich zentral und dezentral, partizipatorisch und transparent. Wir stehen für eine Vielfalt von Kultur. Um sie zu stärken, empfehlen wir eine Kulturförderung, die sich auf Innovation, Teilhabe und Qualität konzentriert. Doch muss Kultur keinen Zweck erfüllen. Die Kunst ist frei.

Vielfältig, humanistisch, nachhaltig

Kulturpolitik will den einzelnen Menschen in die Lage versetzen, seine Zukunft und die der Gesellschaft aktiv und kreativ mitgestalten zu können. Dafür wollen wir eine vielfältige Kulturlandschaft schaffen, die dazu anregt, Menschen, Situationen und Objekte aus verschiedenen Blick- winkeln zu erleben und auf Entwicklungen Einfluss zu nehmen. Diese Kulturpolitik lässt sich von den Ideen des Humanismus, der Freiheit und der Nachhaltigkeit leiten. Sie begreift Kultur als Handlungsraum, in dem alle Menschen auf der Basis von Selbstbeobachtung an der Gestaltung der Gesellschaft als einer sozialen Plastik teilhaben können. So geht sie über einen tradierten Kulturbegriff hinaus, indem sie ihn um die Gesellschaftsrelevanz und den Gestaltungsanspruch erweitert. Unsere Kulturangebote fördern mehrdimensionales Wahrnehmen, Erkennen, Analysieren, Hinterfragen und die eigene Kreativität. Damit können sie die Verbesserung unserer Lebensqualität erreichen und durch sinnlich-ästhetische Erfahrungen die emotionale Verankerung geistig-wissenschaftlicher Erkenntnisse ermöglichen. Eine wertorientierte Kulturpolitik unterstützt uns bei der Bewältigung der vielen großen Herausforderungen unserer Zeit. Sie führt zu einer Stärkung unseres demokratischen Zusammenlebens und sie ist Teil der aktuell notwendigen Fortschreibung der Aufklärung. Gegenwärtig im Zeitalter des Anthropozäns hat der Mensch mit seiner Kultur, als die Natur maßgeblich beeinflussender Faktor, eine besondere Verantwortung.

Innovativ, hochwertig, breitenwirksam

Bündnisgrüne Kulturpolitik bezieht alle kulturellen Akteure ein, seien es öffentliche Institutionen, freie Gruppen, private Initiativen oder Unternehmen. Vermeintliche Grenzen wollen wir durchlässiger gestalten. Projekte und Vermittlungsangebote sind für uns Pulsmesser und Triebkräfte für gesellschaftliche Entwicklungen und widmen sich insbesondere auch neuen Themen und Formaten. Wir wollen erreichen, dass der Austausch der Akteure auf Augenhöhe stattfindet. Wir setzen uns ein für die Emanzipation der künstlerischen Forschung, die Stärkung der kulturellen Bildung und für die Öffnung kultureller Initiativen auch außerhalb etablierter Kulturorte. Wir wünschen uns eine Kulturarbeit, die in der Kindheit beginnt und danach nicht aufhört, unabhängig von Wohnort, Geldbeutel, Herkunft, körperlichen Voraussetzungen oder Identität.

Global, regional, integrativ

Bündnisgrüne Kulturpolitik fördert globales Denken und regionales Handeln. Ihre Kulturangebote sind so angelegt, dass Menschen globale Themen durch Kunst und Kultur auf ihr Leben beziehen und ihr persönliches Engagement in ein größeres Ganzes einfügen können. Konkrete Bezüge zum Lebensraum von Menschen fördern die Impulse, diesen Raum auch selbst mitzugestalten. Vermittlung, Motivationsanreize und ein aktives Angebot vor Ort unterstützen die Eigenaktivität. Unsere Kulturpolitik schafft mit ihren Angeboten Brücken zwischen den Generationen, unterschiedlichen Kulturen und sozialen Gruppen. Sie setzt auf Produktionen und Interaktionen, die in der Lage sind, bestehende Distanzen und Fremdheiten aufzugreifen, diese in vielfältigen, kommunikativen Ausformungen zu bearbeiten und neue Blickweisen aufscheinen zu lassen.

Kunstgerecht, fair, sozial

Bündnisgrüne Kulturpolitik will die vorhandenen Ressourcen gerecht zugänglich machen. Möglichst alle Menschen sollen vor Ort kulturelle Anregungen und Betätigungsfelder finden, die ihren Interessen entsprechen. Vorrangig wollen wir Kulturorte sichern und so Freiräume für Kultur langfristig erhalten. Kommunale Kulturanbieter, etablierte Institutionen und die Freie Szene nehmen wir gezielt als regionale Akteure wahr, daher wollen wir sie für Produktionen und Vermittlungsangebote deutlich stärker als bisher unterstützen. Insbesondere geförderte Kultureinrichtungen sollen verstärkt Programme entwickeln, mit denen sie neue Zielgruppen erschließen. Die vorhandenen Förderungen sollen nach demokratischen Grundsätzen verteilt, Entscheidungen transparent dargestellt und Gelder unbürokratisch vergeben werden. Wir legen dabei Wert auf die Zusammenarbeit mit Initiativen, Gremien, Verbänden und den Beteiligten. Wichtig sind uns grundsätzlich die Einhaltung von Honoraruntergrenzen, sozialer Mindeststandards und eine gleichberechtigte Einbindung in die Sozialversicherungssysteme – was wir noch mehr erstreiten müssen – sowie der Fortbestand von Urheberrechten auch bei modernster Medienproduktion und Warenwirtschaft. Gute Kulturpolitik soll Kreativität erkennen, Möglichkeitsräume schaffen und es den Akteuren erleichtern, sich auf das kulturelle Schaffen zu konzentrieren.

Eine so vielschichtig entfaltete Kultur ist ein wesentlicher Schlüssel für die Umsetzung humanistischer Werte und echter Nachhaltigkeit. Denn „vernünftige Natur zu sein und als solche etwas zur Naturgeschichte beizutragen, was andere Lebewesen nicht gleichermaßen tun, nämlich Kultur, ist tatsächlich die besondere Chance des Menschen … in der Welt seinen Platz zu finden“ (Klaus Michael Meyer-Abich).

Beschlussfassung der BAG-Kultur vom 1.4.2017 in Osnabrück

 

Hier erhaltet Ihr unser Positionspapier, welches wir auf Basis verschiedener Vorarbeiten letzten Sommer in Schwerin in einem Workshop erarbeitet, mithilfe der Schreibgruppe dann in Kassel redaktionell gefasst und nun letztes Wochenende in Osnabrück verabschiedet haben.
Es steht für unsere grundsätzliche Position, von welcher aus wir alle weiteren Schritte jeweils nach Bedarf ableiten können; vom Arbeiten für das Wahlprogramm bis hin zu Diskussionen über Förderpolitik oder die Erstellung von Werbematerialien oder oder…
Danke allen Beteiligten für die sehr gute Zusammenarbeit.
Herzlich, Uta
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